Hi! Ich in Hanna
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Solomama seit 2017 und ich zeige dir, wie du deinen Kinderwunsch mutig, informiert und mit Herz angehst.
In Kopenhagen begann meine Reise.
Das war am Tag vor meiner ersten Insemination in der Kopenhagener Sellmerklinik. Ich konnte gar nicht lange genug spazieren gehen und mir die Stadt anschauen, um meine Nervosität in den Griff zu bekommen.
2016 flog ich von Berlin in Dänemarks hyggelige Hauptstadt, um mir in der Sellmerklinik Spendersamen injizieren zu lassen. Glückstrunken und voller Euphorie war ich sicher: das hat geklappt. Ich bin schwanger.
Wer sich sehnlichst ein Kind wünscht, der kann vermutlich nachvollziehen, wie trügerisch einige Anzeichen sein können. Jedes Ziepen, jedes Brustspannen, jeder Traum von Babys nisten sich in die Gefühle und Gedanken ein und wollen dich davon überzeugen: Freu’ dich, in neun Monaten bist du Mama!
Als ich nach dieser ersten Insemination meine Periode bekam, wusste mein Herz damit kaum umzugehen. Es schrie, weinte, ließ mich daran zweifeln, dass ich das richtige tat.
Soll das wirklich mein Weg sein?
Mir alleine ein Kind in einer fremden Stadt von fremden Menschen machen lassen, nur weil die Momente mit Mann an meiner Seite nicht gepasst haben?
Ein paar Wochen nahm ich mir Zeit. Ich sog noch einmal die Traurigkeit ein und nahm Abschied von meinem Baby, das noch nicht bereit war für mich. Redete mit lieben Menschen über meinen Verlust – und war knappe zwei Monate später physisch und vor allem emotional bereit für den zweiten Versuch.
Was konnte ich ändern?
Dänemark wollte ich in irgendeiner Form treu bleiben, da ich aus der Klinik viel liebevolle Zuwendung nach der gescheiterten ersten IUI bekommen habe. Und überhaupt: Es ging mir gut dort. Ich genoss die dänische Offenheit, die hübschen Menschen, innen wie außen, wollte dass mein Kind einen Teil von dieser Kultur in sich trägt, zumindest genetisch.
Im Empfangsbereich der European Sperm Bank (ESB) heißt ein symbolischer Eisbär die Spender (und uns) willkommen. Das gefrorene bzw. kryokonservierte Sperma wird natürlich woanders gelagert.
Als ich mich bei meiner zweiten Insemination in der Berliner Kinderwunschklinik an der Gedächtniskirche für eine Samenbank entscheiden musste, stand für mich deswegen die dänische European Sperm Bank ganz oben auf meiner Liste. Nicht nur dass die Samenqualität der vielen Spender mindestens MOT 20 betrug. Ich fühlte mich von der Präsentation der Samenbank, den einfachen Erläuterungen, den transparenten Preisen und der Tatsache, dass es keine Grundgebühr gab, sehr angesprochen.
Einer der Hauptgründe, dass ich mich darüber hinaus ganz wunderbar betreut gefühlt habe, war Boris Rosenkrantz, Key Account Manager der ESB. Wir hatten noch lange vor dem Start meines Blogs einen langen und persönlichen Austausch per Mail, er half mir durch die Prozesse der Spenderauswahl und Bestellung. Er gratulierte mir schließlich zur Schwangerschaft, als es beim zweiten Versuch geklappt hat. Auch er war immer für mich da, als ich Rückfragen hatte – selbst als mein Sohn bereits geboren war.
Durch Zufall trafen wir uns bei den Berliner Kinderwunschtagen 2019 zum ersten Mal live. Dort hielt ich an zwei Tagen einen Vortrag zum Thema „Freiwillige Solomama – Zwischen Hindernissen und Erfüllung“, während die ESB sich an einem Stand um die Ecke vorgestellt hat. Wir fanden uns auf Anhieb sympathisch.
Ich hatte bei Boris immer das Gefühl: ich bin willkommen!
Seitdem ist die European Sperm Bank für mich ein wichtiger Teil meiner Geschichte geworden – und der Geschichte meines Sohnes.
Polly Freytag, die schon immer mal nach Kopenhagen wollte, hat mich bei meinem Besuch zur European Sperm Bank (ESB) treu begleitet und das Interview mit CEO Annemette Arndal-Lauritzen geführt. Das gibt’s demnächst auf diesem Blog.
Deswegen war es mir eine wahnsinnig große Ehre, dass ich nach Kopenhagen reisen durfte, um die European Sperm Bank einmal rundherum zu erleben. Gemeinsam mit meiner Blogleserin Polly Freytag, die ebenfalls Spendersamen bei der ESB bestellt hat, gab es eine geführte Tour durch die dänische Samenbank.
Wir durften einen Blick hinter die Kulissen des Kundenservices werfen, sehen, wo der Spendersamen gelagert wird und mit welchem Aufwand die Kryokonservierung verbunden ist. Draußen konnte Polly Freytag auf dem Spermbike radeln, was im übrigen gar nicht so einfach ist.
Unsere persönlichen Highlights: ein Interview mit Boris Rosenkrantz und CEO und Managing Director Annemette Arndal-Lauritzen.
Im ersten Teil erzählt uns Boris, wie er eigentlich auf die Idee kam, bei einer Samenbank zu arbeiten, wie die Samenspender ausgesucht werden, wie der Kontakt zwischen dem Spenderkind und seinem Samenspender etabliert werden kann und welche Auswirkungen das Samenspenderregistergesetz auf die Spendenbereitschaft dänischer Männer für deutsche Frauen hat.
Der zweite Teil des Interviews mit Annemette Arndal-Lauritzen, den Polly Freytag geführt hat, folgt demnächst.
Jetzt aber erstmal zu Boris und mir.
Ich war immer im Verkauf beschäftigt, hab dann aber gemerkt, dass ich nicht den Ansporn habe, die hohen Zahlen zu erreichen. Das befriedigt mich nicht. Mich befriedigt mehr, für ein Produkt zu stehen, was für den Käufer sinnvoll ist und einfach einen Unterschied macht.
Und dann habe ich gesehen, dass die European Sperm Bank Mitarbeiter für den deutschsprachigen Markt sucht und das habe ich für mich als perfekte Gelegenheit gesehen, sowohl meine muttersprachlichen Kenntnisse zu nutzen, als auch durch meine Begabung als Verkäufer, einen Unterschied zu machen in meinem täglichen Leben für Familien.
Seit Ende 2015.
Das isser, der sympathische Kerl: Boris Christopher Rosenkrantz, Key Account Manager bei der European Sperm Bank
Ich finde, es ist ein Traumjob. Ich helfe täglich, Träume zu erfüllen. Jedes Kind ist ein Wunder und es gibt nicht schöneres, als E-Mails und Anrufe zu bekommen, in denen eine Patientin sagt: „Boris, es hat geklappt! Yay!“. Danach schläfst du erst einmal eine Weile nicht.
Ja klar. Und das kann immer ganz viele unterschiedliche Gründe haben. Wir begleiten sie auf ihrem Weg. Die rufen dann an und wollen einfach nur reden. Es kommt ganz drauf an, wie viele Menschen sie in ihrem eigenen Umfeld haben, mit denen sie darüber sprechen. Wir sind dann einfach für alles ein Ansprechpartner.
Klar, wenn du mehrere Behandlungen hinter dir hast und dann sagst: „Mensch, es hat leider wieder nicht geklappt. Woran kann es liegen? Soll man den Spender wechseln oder die Behandlungsmethode?“.
Bevor ein Spender in unser Programm aufgenommen wird, gibt es ganz viele Personen, die mit ihm in Kontakt treten.
Als erstes wird die Samenqualität getestet, wenn jemand zu uns kommt. Wenn diese als sehr hoch eingeschätzt wird, wird der Spender zum ersten Gespräch eingeladen. Da haben wir unsere Spenderkoordination, die das bereits sehr lange und sehr gut macht. Die führt dann erst einmal ein intensives Gespräch mit dem Spender.
Nach diesem Gespräch kommt er dann zum Arzt – also einem ganz normalen Hausarzt, wo er dann auch genau untersucht wird auf alle körperlichen Merkmale. Das dauert dann auch noch einmal etwa eine Stunde.
Arzt und Spenderkoordination sprechen immer wieder mit dem Spender und hinterfragen auch die Motivation, um sich auch sicher zu sein, dass derjenige es möchte, sich Gedanken gemacht hat und weiß, was er da tut. Dann haben wir auch im Nachhinein generell viel Kontakt mit den Spendern, immerhin folgen weitere Tests, Blutbilder, etc.
Und wenn sie dann ins Programm aufgenommen sind, kommen sie häufiger vorbei für neue Bluttests und Spenden und da haben wir auch die Eindrücke unserer Mitarbeiter, die man in den Profilen der Spender nachlesen kann.
Genau, der Keirsey Test.
Das finde ich immer schön an dem Keirsey Test zu sagen, dass es ein selbstreflektierender Persönlichkeitstest ist. Das ist kein IQ-Test. Klar, sind alle unsere Spender normale, freundliche, liebe, kluge Menschen.
Aber es ist nicht so, dass wir jemandem sagen, du hast keinen IQ von 150, also passt es nicht. Es ist die Persönlichkeit, die getestet wird, und dabei gibt es keine Verlierer.
Geht das? (lacht)
Also das erste Gespräch ist auf jeden Fall anderthalb bis zwei Stunden lang. Und das ist nur das erste Gespräch.
Es gibt dann im Profil auch die Audiofiles von den Spendern, so 10 bis 20 Minuten. Da kann man dann auch als Kunde ein Gefühl von dem Spender bekommen. Man hört die Stimme, wie er antwortet und da weiß ich, dass das viele sehr hilfreich und sehr wichtig finden.
Hinter den vielen Türen dieses Ganges verbergen sich die Spenderkabinen, in denen die Spender zur Tat schreiten.
Aufklärung ist das A und O. Erstmal wählen die Spender ja selbst, ob sie anonym sind oder offen sein möchten. Und es gibt auch keinen finanziellen Vorteil davon, offen zu sein.
Das heißt, sie machen sich schon sehr genaue Gedanken darüber, was es bedeutet, offener Spender zu sein und was auf sie zukommt. Einerseits eine Verpflichtung fürs Leben. Andererseits ist es wichtig klarzustellen, dass man Samenspender ist und kein Vaterersatz. Das überlässt man den Eltern, den Müttern, sowohl die Pflichten, als auch die Rechte.
Man behält sich vor, Spender zu sein und das ist auch ganz wichtig zu sagen, dass darin der Kontakt besteht. Nicht dass man denkt, man feiert jetzt jedes Jahr Weihnachten zusammen. Kann zwar sein, aber es ist keine Verpflichtung.
Wenn man jetzt als Singlemutter sagt, ich möchte gerne einen Vater für mein Kind, dann ist das nicht der richtige Weg. Das ist nicht, was man bekommt; man bekommt Spendersamen.
Es gibt immer Spender, die beliebter sind als andere. Aber grundsätzlich sehen wir, dass alle Spender gefragt sind, weil es ebenso viele Frauen- und Familientypen gibt. Die spiegeln auch so ein bisschen die Gesellschaft wider. Zu jedem passt ein anderer Spender. Natürlich gibt es immer ein paar, die etwas beliebter sind. Aber eigentlich sind alle nachgefragt.
Wir senden ja an 60 verschiedene Länder. ‚Blond‘ oder ‚blauäugig‘ ist von manchen nachgefragt, von anderen sind andere Merkmale nachgefragt.
Es ist komplett unterschiedlich. Ist es ein gleichgeschlechtliches Paar, dann wird sehr genau auf die Gesundheit des Spenders geguckt. Die sind zwar alle gesund, aber denen ist das besonders wichtig.
Vielleicht guckt eine Singlefrau eher, ob er gut aussieht. Beim heterosexuellen Paar geht es mehr darum, dass er dem Mann ähnlich ist. Es ist immer ganz verschieden, was den Menschen wichtig ist.
Ja! Was alle Samenspender verbindet ist, dass sie sehr gesund sind. Geistig und körperlich fit. Und dass sie eine sehr hohe Samenqualität haben.
Darüber hinaus spiegeln sie auch wieder die Gesellschaft total wider. Da gibt es natürlich einen Altersdurchschnitt, weil sie ja nicht älter als 45 Jahre und jünger als 18 sein dürfen.
Nicht nur theoretisch. Die verallgemeinern das nur. Alle Spender sind komplett darüber aufgeklärt, dass alle Familienkonstellationen den Spendersamen bekommen können, sowohl hetero-, als auch homosexuelle Paare, als auch Singlefrauen. Da sind sie sich sehr bewusst darüber und haben alle ihr Einverständnis gegeben. So steht es auch in den Verträgen.
Das machen sie nicht.
Unsere Spender werden ja schon am Anfang aufgeklärt. Und man spricht mit ihnen darüber. Wenn es nichts für sie wäre, würden sie auch gar nicht weiterkommen.
Es sind moderne Menschen, die wissen, dass es auch moderne Familienkonstellationen gibt. Da gibt es kein richtig oder falsch, das ist komplett individuell.
Das stimmt aber auch nicht! In Deutschland kommt es natürlich immer auch darauf an, wo man ist.
Aber, was ist eine klassische Familienkonstellation? Ich kenne in meinem eigenen privaten Umfeld so viele Singlemütter, die einfach Supermütter sind. Genauso weiß man von anderen, dass der Vater blöd ist oder die Kinder es nicht so gut haben, obwohl sie beide Eltern haben. Das ist heutzutage komplett individuell.
Ich denke, in Deutschland ist es auch so, dass es mittlerweile akzeptiert ist.
Kommt es nicht auch darauf an, wo man in Deutschland ist?
“Kein Mann muss Sorge haben, dass er abgeschafft wird”, nur weil sich immer mehr Frauen für den Gang zu einer Samenbank entscheiden, sagt und findet Boris Rosenkrantz.
Ich denke, kein Mann muss Angst haben, abgeschafft zu werden.
Ich finde es wichtig, wenn man sich auf seine eigene Familie und sein Leben konzentriert und dadurch bestätigt wird. Dann wünsche ich allen anderen Menschen alles Gute für die Gestaltung ihrer Leben.
Ich möchte auch gerne die Möglichkeit haben, das so individuell zu gestalten, dass es zu mir und meinem Leben passt.
Wir folgen bei der European Sperm Bank immer den Regeln, die es in den jeweiligen Ländern gibt.
In Dänemark zum Beispiel sind es 12 Familien pro Spender. In England sind es maximal 10 pro Spender. In Holland sind es auch 12 pro Spender. In Deutschland gibt es aber keine rechtlich bindende Regel, mehr so eine Übereinkunft. Da halten wir uns an 15 Familien pro Spender.
Also typischerweise würde das verteilt sein. Das passiert automatisch, weil die ja überall hingeschickt werden. Das wäre jetzt ein Riesenzufall, wenn ein und derselbe Spender in dieselbe Klinik geschickt würde.
Es gibt keine internationale Regel. Aber wir haben bei der European Sperm Bank eine Obergrenze.
Was ich auch so schön finde, ist das wir uns ethisch verpflichten, sowohl dem Spender gegenüber, als auch den Spenderkindern und seinen Familien, den besten Weg zu gehen. Da haben wir uns dann selber eine Obergrenze gesetzt, von der wir meinen, es sei die richtige. Dazu sind wir aber nicht verpflichtet, solange es keine internationale Grenze gibt.
Wir bitten alle Spender darum, mehrere Bilder zu schicken.
Allerdings haben sie oft Probleme damit, Bilder in einer ordentlichen Qualität zu finden, aus der Zeit, in der sie jung sind. Also ich würde auch nicht so viele Bilder von mir finden. Durch das digitale Zeitalter kommen mittlerweile mehr und bessere Bilder. Wenn man früher von mir ein Video gemacht hat, hatte noch keiner eine Kamera. Ich glaube, ich habe zwei funktionierende Bilder von mir.
Ja!
Also alle Spender haben bei uns eine Mappe. Wenn jemand einen Brief schickt, würden wir ihn da rein legen und der Spender hat Recht auf Einsicht in seine Mappe. Auf diesem Weg könnte er das bekommen, wenn er in die Mappe Einsicht haben möchte.
Das muss von ihm ausgehen.
Den machen wir gerne in deine Mappe!
Kann ich gucken. Ich sag dir aber nicht mehr darüber.
Ich hab da gar keine Statistiken. Ich weiß nur, dass sie es dürfen, aber gar nicht, ob wir das von der Spenderkoordination erfahren würden. Die sind da total protective, was die Spender und die Spenderkinder angeht.
Alle werden hier in ihrer Privatsphäre geschützt.
In den Verträgen mit den Spendern sagen sie, dass sie einen Kontakt ab 18 Jahren haben können. Das ist ein Kontakt und es muss auch nicht mehr sein als das. Dazu verpflichten sich die Spender.
Wenn jetzt ein Kind ein Bedürfnis hat, dann steht unsere Tür immer offen. Dann müssen sie nicht warten bis sie 18 sind, sondern können immer zu uns kommen. Da gibt es auch viele Sachen – es kommt immer auf den Beweggrund an, was möchtest du, was dir fehlt– und viele Fragen, die wir beantworten können, wir kennen die Spender ja sehr gut.
Es ist gar nicht immer der Kontakt, sondern manchmal auch einfach nur mehr Information und das machen wir dann individuell mit jedem Kind.
Da ist es natürlich wichtig, die Privatsphäre der Spender zu beachten.
Na klar kann man den Wunsch verstehen. Aber die Spender haben sich bereit erklärt, das ab 18 Jahren zu machen und das wollen wir auch respektieren.
Es kann immer irgendwelche Ausnahmezustände geben, warum ein früheres Treffen nötig wäre. Dann würden wir das individuell betrachten. Aber erst mal halten wir uns an das, was wir zugesagt haben und das ist die Kontaktaufnahme ab 18. Unsere Tür steht aber immer offen.
Wir kennen ja die Identität des Spenders, haben sowohl den Pass, als auch die Sozialversicherungsnummer. Das heißt, wir würden unser Bestes tun, denjenigen ausfindig zu machen. Wir haben sehr gute Informationen. Nicht nur die Adresse und dann ist er weg.
Bisher noch nicht. Das liegt aber daran, dass es uns seit 2004 gibt. Das wird erst kommen.
Was wir aber machen, ist es, uns sehr intensiv darauf einzustellen. Wir sammeln auch Erfahrungen von älteren Samenbanken. Das ist auch sehr schön, weil damals vieles noch nicht geregelt war wie heute. Daraus kann man sehr viel lernen.
Dann sind wir sowohl branchenintern, als auch mit externen Experten und Psychologen im Gespräch darüber, wie man das am besten für Spender und Kind gestalten kann.
Das ist auch ein extrem ethisches Thema. Es geht um Leben, um Kinder. Da muss man das einfach alles sehr genau durchgehen.
Um überhaupt zugelassen zu werden als Tissue Establishment, das heißt als Gewebeeinrichtung, muss man abgesichert haben, dass die Daten gespeichert sind und auch im Falle eines Bankrotts weiterhin gespeichert sein werden. Deswegen haben wir mehrere Backups.
Bei uns wird immer jemand ans Telefon gehen. Das sind sowohl Anwälte, als auch andere Fertilitätskliniken, die dann einspringen würden. Ansonsten würden wir gar keine Zulassung bekommen, das muss man leisten.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass das schon eine Weile her ist.
In den 80er Jahren waren es noch Verhältnisse wie im Wilden Westen. Vielleicht kommt es auch ein bisschen aufs Land an. Wir sind hier in Dänemark, was die Fertilitätsgesetzgebung angeht, schon richtig, richtig weit. Generell ist hier die Tendenz, dass man alles viel mehr im Griff hat. Das kann also heutzutage nicht mehr passieren.
Also wenn man über die European Sperm Bank bestellt, hat man immer das erweiterte Profil. Grundsätzlich kauft man über die ESB offene Profile.
Wenn man ein Basisprofil hat, dann nur weil man einen Spender von uns über eine Klinik kauft. Das gibt es in Deutschland nicht, weil die Kliniken nicht kaufen, aber in anderen Ländern wie Österreich und Dänemark kaufen Kliniken oft Spendersamen mit eingeschränktem Spenderprofil und verkaufen es dann weiter.
Wir haben schon häufig mitbekommen, dass die Patientinnen dann sagen: „Mensch, hätte ich gewusst, dass es anders geht!“. Deswegen haben wir uns entschieden, dass man das erweiterte Profil auch im Nachhinein kaufen. Für momentan 700 Euro wird ihnen dann das volle Profil zur Verfügung gestellt.
Oft ist es ja so, dass das Land es vorschreibt, ob Spender anonym sind oder nicht. In Deutschland zum Beispiel muss es ein offener Spender sein. Im Grundgesetz steht auch, dass man ein Recht darauf hat, die Abstammung zu erfahren.
Deswegen gibt es ja auch das Samenspenderregistergesetz. Dann gibt es Länder wie Belgien, da muss der Spender anonym sein. In Dänemark gibt es beide Möglichkeiten. Wir sehen da eher eine Tendenz, die zum offenen Spender neigt. Anders in Italien, Belgien oder Spanien, wo der Spender anonym bleiben muss.
Kommt immer auf die Klinik an. Ich weiß nicht so viel über Spanien. Die Frage ist, ist das jetzt gesetzlich so geregelt oder machen das einfach nur wenige Kliniken? In Deutschland gibt es nur die Möglichkeit der offenen Spende. In Italien nur die anonyme Spende.
Aber es gibt auch Länder, in denen beide Möglichkeiten angeboten werden.
Ja, genau.
Wenn der Straw an die Klinik gesendet worden ist, dann ist ein Lieferschein etabliert worden. Für jeden Straw gibt es einen Single European Code und den gibt es für die Rückverfolgbarkeit. Das heißt, es muss immer genau gewährleistet sein, was mit welchem Straw passiert. Auf dem Lieferschein steht der Name der Patientin und des Straws, was bedeutet, dass dieser in der Klinik nur für die Behandlung dieser Frau gedacht ist.
Wenn diese Frau den Straw weitergeben würde, dann steht die Klinik in der Pflicht der Rückverfolgbarkeit. Das müsste die Klinik dann registrieren, dass es an eine andere Person weitergegeben wurde. Diese Verpflichtung müssten sie dann weitergeben und das ist kompliziert.
Wir können nicht im Nachhinein den Lieferschein umschreiben, weil das ein offizielles Dokument ist.
In diesen Räumlichkeiten der European Sperm Bank (ESB) werden die kryokonservierten Spendersamen gelagert
Über die Rückverfolgbarkeit. Jede Klinik, jede Samenbank muss immer sagen können, hier ist es hin geliefert worden.
Wir haben hier auch ein Depot. Wenn man sich für Geschwisterkinder etwas sichern möchte und hier bei uns ein Depot aufmacht, dann ist das hier gelagert und wir können die Rückverfolgbarkeit gewährleisten und die Kühlkette nachvollziehen. Deswegen können wir diese Einheiten jederzeit zurückkaufen. Ich glaube, das machen wir zu 75 Prozent. Man macht einfach ein Lager hier auf und das, was man nicht braucht, gibt man einfach an uns zurück.
Solche Register gibt es schon lange, beispielsweise das HEFA (Human Fertilisation and Embryology Authority) in England. Alle unsere Spender haben sich bereit erklärt, dass sie an Register gemeldet werden können und möchten. Wir finden das Samenspenderregister super.
Für Kinder in Deutschland ist es jetzt gesichert, dass sie eine Identität bekommen können. Und das ist schon mal super.
Es gibt einen Unterschied zwischen dem Kontakt zum Spender und dem Recht auf Wissen der Identität zum Spender. Ich denke, das muss man hier unterscheiden.
Wenn das Kind sagt, ich möchte gerne wissen, wer das ist, ist das ein gesetzliches Recht des Kindes. Dadurch hat das Kind aber nicht das Recht, den Spender anzurufen oder Kontakt in irgendeiner Form zu haben. Das regelt das Gesetz nicht. Es hat nur das Recht auf die Identität.
Ein offener Spender kann sagen, dass er den Kontakt erwidert. Das würde dann aber über uns laufen. Das heißt, wenn ein Kind Kontakt zum Spender haben will, immer erst zu uns. Die Identität ist eine andere Geschichte. Das wird manchmal durcheinandergewürfelt.
„Es ist wichtig klarzustellen, dass man Samenspender ist und kein Vaterersatz. (…) Nicht dass man denkt, man feiert jetzt jedes Jahr Weihnachten zusammen. Kann zwar sein, aber es ist keine Verpflichtung.“
Du musst dir das so vorstellen: Der Spender ist ein Individuum mit eigenen Rechten, das Kind ebenso.
Jetzt hat das Kind nicht automatisch das Recht auf eine andere Person. Es hat lediglich das Recht zu wissen, was es selbst angeht und seine Identität. Es kann nicht das Recht haben, mit dem Spender jedes Jahr Weihnachten zu feiern. So ein Gesetz, in dem der Spender verpflichtet ist, jede Woche einmal zum Kind zu gehen, das würde es nie geben. Eigentlich klar.
Das ist eben der Unterschied. Wenn jemand offener Spender ist, hat er sich auch Gedanken gemacht, und wir helfen dann, den Kontakt herzustellen, so wie es für das Kind und den Spender am besten ist.
Nein, die Kinderwunschzentren müssen erst einmal schauen, ob eine Schwangerschaft entstanden ist, und müssen dann die Geburt des Kindes zum Zeitpunkt der Geburt oder bis spätestens zwei Monate danach ungefähr beim BfArM melden.
Dann geht die Meldung dort ein und das BfArM sieht anhand der Spendernummer, von welcher Samenbank die Spende kommt – die haben alle einen Tissue Establishment Code – und kontaktiert dann uns. Wir sind da registriert und dann melden wir da den Spender. Das haben wir auch allen Kliniken vertraglich so zugesichert, sonst darf man in Deutschland nicht behandelt werden.
Genau, ganz klar.
Ja, da gibt es einen Unterschied. Der Unterschied ist, dass kein Kind, das vorher entstanden ist, beim BfArM gemeldet ist. Die Meldung gibt es auch nicht rückwirkend. Das heißt, die Kinder, die vorher entstanden sind, können da nicht anrufen und deswegen auch nicht die Identität des Spenders ab 16 Jahren bekommen.
Es gilt aber für beide dasselbe: Der Kontakt zum Spender ist ab 18 Jahren möglich.
35000 war die letzte Zahl, die ich gehört habe, und mittlerweile sind es, glaube ich, sogar noch mehr.
Sind wir auch richtig stolz drauf.
Da gibt es viele. Und da geben wir uns auch richtig Mühe, Erfahrungswerte zu bekommen und zu evaluieren.
Es ist immer die Frage: was fehlt dir? Als Spenderkind hast du deine Familie sowieso. In den Spenderprofilen kannst du ja eine Menge über deinen Spender erfahren. Du hast Hobbys, Bilder, die Stimme. Das kann für viele schon reichen, um mit einer Unruhe in sich abzuschließen.
Bis dahin ist es wichtig, so sagt es auch die Psychologin [Susan Golombok], dass man als Familie mit Spenderkind so früh wie möglich mit dem Kind offen darüber spricht. Dann ist das ganz natürlich.
Genauso schlimm wäre es ja auch, wenn es sich dabei nicht um einen Spender gehandelt hätte. So etwas auf diese Weise herauszufinden, ist immer ein großer Schreck.
Darüber denken wir nach und haben Arbeitsgruppen, die evaluieren, ob es für uns als Samenbank das richtige ist, da Hilfestellung zu geben und was dies für Vor- und Nachteile haben könnte.
Andere machen das vielleicht. Auf der anderen Seite ist es als Spenderfamilie im digitalen Zeitalter technisch gut möglich, gefunden zu werden. Wenn ich gefunden werden will, dann werde ich höchstwahrscheinlich auch gefunden.
Man hat also auch ohne uns superschnell die Möglichkeit, Halbgeschwister zu finden. Hat bei dir ja auch geklappt.
Erst einmal muss man überlegen: Wo könnte ich suchen? Und dann wird man auch schnell fündig. Aber, es kann gut sein, dass wir das in der Zukunft auch anbieten, wenn wir meinen, dass es für uns der richtige Weg ist.
Ja, wir haben sehr hohe ethische Grundsätze, was die Spender, die Kinder und die Familien angeht. Und wenn wir meinen, dass das für alle das richtige ist, dann machen wir das auch.
Schön war’s bei der European Sperm Bank und mit Boris Rosenkrantz. Wenn ich mal wieder in Kopenhagen bin, komme ich gerne wieder 🙂
Ich bin ja in der glücklichen Lage, dass ich den schönsten Job der Welt habe. Jeder Tag ist für mich ein besonderes Ereignis. Das hört sich erst mal platt an, aber ich glaube nicht, dass jeder von sich sagen kann, dass er täglich Anrufe oder Mails von superglücklichen Menschen bekommt, die erzählen: „Hey, ich bin endlich schwanger!“ oder „Mein Kind ist geboren!“, oder „Das nächste Kind ist geboren!“.
Ich habe die glücklichsten Kundinnen auf der Erde. Ich finde alles besonders. Es ist einfach ein toller Job.
Vielen Dank für euer Interesse!
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